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Schülerprobleme: Reden hilft und beugt Gewalt vor

Seit dem Schuljahr 2019/2020 gibt es das Gesprächs- und Beratungsangebot „Reden hilft – dein Talk-Team ist für dich da“ an der HTL Pinkafeld. Das Talk-Team sieht sich als erste Anlaufstelle für alle Schülerinnen und Schüler bei Problemen unterschiedlicher Art. Ein vertrauliches Gespräch mit einer Lehrerin oder einem Lehrer kann helfen, Schwierigkeiten, die sich auf den Schulalltag auswirken, zu  überwinden.

Krisen- und Konfliktbewältigung

Störungen im Unterricht durch einzelne Schüler können verschiedene Ursachen haben. Sie sind meist Ausdruck emotionaler, psychischer, entwicklungsbedingter oder familiärer Probleme. Sie bewusst anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen ist Direktor Wilfried Lercher wichtig: „Die Lehrkraft hat eine pädagogische, also menschliche Verantwortung, wahrgenommene Konflikte nicht zu ignorieren, sondern einzugreifen.“ Da Konflikte mit vielfältigen Gefühlen wie Gereiztheit, Frustration, Wut und Zorn einhergehen, ist ein Gesprächs- und Beratungsangebot an der Schule auch eine Möglichkeit zur Gewaltprävention.
Der Religionslehrer Robert Göltl und die Deutschlehrerin Evelin Weber-Kröpfl haben diese Aufgabe gemeinsam übernommen. Beide sind erfahrene Pädagogen. Weber-Kröpfl ist ausgebildete Schulmediatorin, Göltl arbeitet auch als Psychotherapeut.

Studie belegt Erfahrung: Reden wirkt erleichternd

Die Erfahrung der beiden Professoren, dass Reden emotionale Spannungen lösen und neue Perspektiven aufzeigen kann, lässt sich auch wissenschaftlich begründen. So ergab eine Studie von Wissenschaftlern der University of California in Los Angeles, dass auch die negativsten Gefühle erträglicher werden, wenn man darüber spricht. Mittels Magnetresonanz-Tomografie konnten entsprechende Veränderungen im Gehirn der Probanden festgestellt werden. Evelin Weber-Kröpfl zitiert Studienleiter Matthew Lieberman zu diesem Effekt: „Wer Gefühle in Worte fasst, tritt gewissermaßen auf die emotionale Bremse.“ 

Schulisches Angebot wird angenommen

Im Schuljahr 2019/2020 wurden 32 Schülerinnen und Schüler der HTL Pinkafeld während des Präsenzschulbetriebs in 61 Gesprächssitzungen unterstützt und beraten. Sechs von ihnen wurden der Schulpsychologin bzw. anderen Experten weiterempfohlen. Diese in Relation zur Gesamtzahl geringe Anzahl an Fällen, die Expertenunterstützung benötigte, lasse „erkennen, wie notwendig und relativ einfach durchführbar die Hilfestellung für die Fälle ist, die sich noch im Rahmen der ‚normalen‘ Probleme bewegen“, resümieren Göltl und Weber-Kröpfl ihre Tätigkeit. Die Probleme der einzelnen Schülerinnen und Schüler waren nicht nur schulischer Natur, wie Lernprobleme, Fragen zur beruflichen Orientierung, gruppendynamische Konflikte oder Probleme mit einer Lehrkraft, sondern hatten auch familiäre oder persönliche Ursachen. 

Perspektivenwechsel und Handlungsalternativen

Robert Göltl und Evelin Weber-Kröpfl können aus Erfahrung bestätigen: Reden hilft. „Für mich persönlich war es trotz der oft prekären Situation mancher Jugendlicher, eine Freude, mitzuerleben, wie junge Menschen Erleichterung und Orientierung in einem Gespräch finden können“, erzählt Weber-Kröpfl. Empathisches Zuhören und Akzeptanz durch einen Lehrer ermögliche fast immer ein gemeinsames Analysieren des Problems, einen Perspektivenwechsel oder das Erkennen von Handlungsalternativen, was die Betroffenen merklich in ihrer Zuversicht stärke.