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Gebäudetechnik-Abteilung begeistert mit Feuerwehr-Klassen

Um die Ausbildung an der Gebäudetechnik-Abteilung der HTL Pinkafeld für künftige Schülerinnen und Schüler zu attraktivieren, hatte Werkstättenleiter Stefan Singraber vor rund drei Jahren die Idee zu einer sogenannten „Feuerwehrklasse“. In Übereinstimmung mit Schulleitung und Partnerorganisationen hat der Professor für Fachtheorie und Fachpraxis Gebäudetechnik ein Ausbildungskonzept entworfen. Mittlerweile haben zwei Jahrgänge begonnen, diese Zusatzqualifikation zu absolvieren. Ein Interview mit den beiden Klassenvorständinnen und Julia Lang, Ausbildungsteilnehmerin über ihre inzwischen zweijährige Erfahrung.


„Momentan laufen zwei Jahrgänge mit insgesamt 33 Schülerinnen und Schülern, die sich freiwillig für diese Zusatzausbildung angemeldet haben“, sagt Claudia Reithmeier. Sie ist Klassenvorständin des ersten Jahrgangs, der die Ausbildungsschiene „Brand- und Zivilschutz“ in der Gebäudetechnik-Abteilung durchläuft.

Feuerwehrausbildung in enger Kooperation mit der Stadtfeuerwehr Pinkafeld

Im ersten Jahr erfolgt die Ausbildung in enger Kooperation mit der Stadtfeuerwehr Pinkafeld: Trupp-Mann1-Ausbildung und Funk-Lehrgang stehen am Programm. Das Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze wird im Zuge eines Wettbewerbs erworben. „Betreut werden die Schülerinnen dabei von Lehrern unserer Schule, die aktiv bei Freiwilligen Feuerwehren in der Umgebung tätig sind. Zu betonen ist dabei vor allem deren Bereitschaft, viele Stunden ihrer Freizeit für diese einmalige Sache zu opfern. Das gilt in gleichem Maße auch für die Ansprechpersonen der Freiwilligen Feuerwehr Pinkafeld, die jederzeit für die Klassenvorstände, denen die Koordination obliegt, erreichbar sind und mit Rat und Tat zur Seite stehen“, so Reithmeier.

Im zweiten Jahr absolvieren die Schülerinnen und Schüler gleich zu Beginn des Schuljahres einen dreitägigen Branddienst-Lehrgang in der Landes-Feuerwehrschule in Eisenstadt, kurz LFS, zu dem sie vom Klassenvorstand begleitet werden. Am Ende des Schuljahres machen die Ausbildungsteilnehmer ebenfalls in der LFS einen zweitägigen Technik1-Lehrgang. Während des Jahres trainiert die Wettkampftruppe für das Leistungsabzeichen in Silber.

Rotes Kreuz ermöglicht Ausbildung zum Rettungssanitäter

Im zweiten Jahr startet auch die Zivilschutz-Ausbildung mit einem 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs und mit einem Rot-Kreuz-Tag, der den Schülerinnen und Schülern Einblick in das alltägliche Geschehen eines Rot-Kreuz-Sanitäters und in den Christophorus-Stützpunkt in Oberwart geben soll. Die angehenden Gebäudetechniker sollen dabei für eine freiwillige Tätigkeit bei Hilfsorganisationen sensibilisiert werden bzw. die Burschen für einen späteren Zivildienst. Vorträge des Zivilschutzverbandes ergänzen die Kenntnisse im Bereich des Zivilschutzes.

Anfang des dritten Jahres nehmen die Schülerinnen und Schüler am Schadstoff1- und Atemschutz-Info-Lehrgang, wieder an der LFS Eisenstadt, teil. Am Ende dieses Jahrgangs erfolgen der Truppführerabschluss- sowie der Brandmeldeanlagen-Lehrgang.

Facheinschlägig dazu passende Exkursionen ergänzen die Ausbildung der Feuerwehrklassen: So besuchte eine Gruppe im Juni das nie in Betrieb gegangene AKW Zwentendorf. Für den Herbst plant Reithmeier eine Exkursion zur Berufsfeuerwehr Graz und zum Pumpenhersteller Magirus Lohr.

Im vierten Jahrgang sind die Ausbildung zum Rettungssanitäter auf freiwilliger Basis, der Führen1- sowie weitere Atemschutz-Lehrgänge wiederum an der LFS Eisenstadt und ein Abschlussprojekt vorgesehen. „Inwiefern die Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten abgeschlossen werden kann, darüber herrscht noch Uneinigkeit“ erklärt Claudia Reithmeier. Einige Ausbildungsschritte seien eben erst in Planung.

Schüler sind hoch motiviert und voller Ehrgeiz

Bettina Raser, Mathematik-Professorin und Klassenvorständin der mittlerweile zweiten „Feuerwehrklasse“ ergänzt mit ihren Erfahrungen mit dieser Ausbildung: „Ich halte das für ein tolles Angebot. Im Laufe dieses Schuljahres konnte ich bemerken, dass die Schülerinnen und Schüler sehr viel Motivation und Ehrgeiz gezeigt und tolle Leistungen erbracht haben. Durch die unterschiedlichen Aktivitäten ist die "Gruppengemeinschaft" stärker geworden. Viele vereinen dadurch Hobby und Schule.“

Natürlich habe man als Klassenvorstand dabei vieles zu organisieren, „Ich persönlich finde es allerdings super, dass die Schülerinnen und Schüler im Zuge der Schule das Bronze-Abzeichen und andere Leistungsnachweise ablegen können. Ich habe beobachten können, dass die Jugendlichen sehr viel Spaß dabei haben und durch die Zusammenarbeit Freundschaften entstanden sind.“

Feuerwehrklasse konnte bei Landesleistungswettbewerb Spitzenplätze belegen

Das Training mit Bauhoflehrer BEd Thomas Steiner und Ing. Michael Krutzler von der Stadtfeuerwehr Pinkafeld zeitigte mittlerweile auch bereits herzeigbare Erfolge: Beim 64. Feuerwehr-Landesleistungswettbewerb in Wulkaprodersdorf konnten die Gebäudetechnik-Schüler der „Brand- und Zivilschutzklasse“ 2BHGT beim Antreten in „Silber gemischt“ mit hervorragenden 354 Punkten den 2. Platz erringen, beim Staffellauf wurde sogar die schnellste Zeit erzielt. Im Bewerb „Bronze gemischt“ war der vierte Platz von 18 angetretenen Gruppen mit 373 erreichten Punkten ebenfalls eine ausgezeichnete Leistung.

Julia Lang, Gebäudetechnik-Schülerin im dritten Jahrgang

Was habt ihr durch die „Feuerwehrausbildung“ bisher zusätzlich lernen können? Wovon habt ihr profitiert? (Feuerwehr-, Rettungssanitäter- u. Zivilschutzausbildung)

Wir sind jetzt quasi „einsatzbereit“ und dürfen mit den Pinkafeldern einen Einsatz mitfahren. Wir haben klein angefangen und sind jetzt so weit. Weiters wird im technischen Unterricht auf Dinge hingewiesen, die essentiell für den Brandschutz sind. Auch habe ich nun ein genaueres Auge darauf, was Brandschutz im Allgemeinen betrifft, also beim Lagerfeuer oder bei Kerzen. Ich habe von der Ausbildung sehr profitieren können, da sie mir bei der Grundausbildung in der Steiermark angerechnet wurde. Ich musste somit mit allen anderen aus meiner Heimatfeuerwehr nur einen Tag in die steirische Feuerwehrschule.

Viele Ausbildungsschritte dieser Zusatzqualifikation müsst ihr in der unterrichtsfreien Zeit absolvieren. Wie ist das „neben“ der Schule zu schaffen?

Es findet ungefähr ein Drittel der Ausbildung an unterrichtsfreien Nachmittagen statt. Die anderen zwei Drittel während des Unterrichts. Wenn wir mehrtägige Kurse in der Feuerwehrschule haben, übernachten wir dort. Bei den meisten eintägigen Kursen wird ein Tag gewählt, an dem wir sechs oder neun Stunden haben. Dann dauert der Kurs bis 17:30 Uhr, damit wir alle unsere Busse erwischen. Das kommt jedoch einmal alle zwei Monate vor, ist somit nicht schlimm.

Die „Feuerwehrausbildung“ steht Schülerinnen und Schülern gleichermaßen offen. Müssen Mädchen dabei weniger körperlich anstrengende Tätigkeiten verrichten als die Burschen?

Von meiner Seite ein ganz klares Nein. Es gibt uns Mädchen gegenüber keine Sonderbehandlung. Sollten wir einmal z. B. etwas nicht heben können, helfen uns die Burschen auch gerne.

Würdet ihr diesen Ausbildungszweig der Gebäudetechnik-Abteilung auch künftigen Schülerinnen und Schülern empfehlen? Wenn ja, warum?

Wenn Interesse oder einfach nur Neugierde besteht, dann ja, da es nicht viele Stunden in der Freizeit sind, und Brandschutz sowieso ein Teil der Gebäudetechnik-Ausbildung ist. Aber das Wichtigste: weil es Spaß macht.

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